Gildefotoarchiv39

Schützenfest 1995

( Alle Fotos und Texte: Joachim Kracht )

Endlich konnte, nach nahezu zweijähriger intensiver Planung, der vielköpfige Festausschuß die Früchte seiner Arbeit einfahren – den erfolgreichen Ablauf der 100-jährigen Jubiläumsfeier der Schützengilde Woltersdorf e.V. am Pfingstsonntag 1995. Bereits zum Feldgottesdienst, der am Sonntagvormittag von Pastor Schulz mit musikalischer Unterstützung des Posaunenchors geleitet wurde, waren neben der geschlossen angetretenen Woltersdorfer Gilde viele Gastabordnungen auswärtiger Schützenvereine, der Kreisschützenkönig, zahlreiche Ehrengäste, der Bürgermeister und der Rat der Gemeinde Woltersdorf sowie Abordnungen der Woltersdorfer Vereine und Institutionen und viele Woltersdorfer Bürger erschienen. Anschließend wurde auf dem Schießstand unter allen teilnehmenden Schützenkommandeuren eine Jubiläums-Ehrenscheibe ausgeschossen und die Marschreihenfolge für den nachmittäglichen Festumzug ausgelost. Danach marschierte man geschlossen zum Festplatz, um dort mit den Schützendamen ein gemeinsames Mittagessen einzunehmen.

Ein buntes Fahnenmeer …

… macht den Festplatz weithin sichtbar.

Am westlichen Ortseingang, im “Stegel”, hatte der Landwirt Friedrich Fettkötter der Woltersdorfer Schützengilde eine Wiese, gegenüberliegend dem Anwesen der Familie Vogler, zur Nutzung als Jubiläumsfestplatz zur Verfügung gestellt. Vor dem großen Festzelt war extra eine Freifläche für den Aufmarsch der eingeladenen Vereine eingerichtet worden. Das gesamte Gelände wurde von ca. 30 Fahnenmasten umsäumt, an denen – weithin sichtbar – bunte Fahnen aus ganz Deutschland und Europa lustig im Wind flatterten. Eigens zu diesem Zweck hatte Festausschußmitglied Joachim Kracht nahezu seinen gesamten Fahnenfundus geopfert.

In ausgeloster Reihenfolge …

… nehmen die eingeladenen Vereine und …

… die übrigen Festgäste Aufstellung.

Am Nachmittag wurden die eingeladenen Gastvereine, die in der Poststraße angetreten waren, von der Schützengilde Woltersdorf in Empfang genommen und begrüßt. Schildträger der verstärkten Jugendkompanie nahmen vor ihrem jeweiligen Verein ihre Position ein, danach erfolgte der Abmarsch zum Festplatz.

Nachdem auch die Wache ihren Platz gefunden hatte, …

… konnte Gildemajor Karl Kammradt endlich den Festakt eröffnen.

Zu Beginn des Festaktes begrüßte der Kommandeur der Schützengilde Woltersdorf, der 1. Vorsitzende Karl Kammradt, die Anwesenden und hielt Rückschau auf die geschichtliche Entwicklung der Gilde. Ihm schloß sich ein Vertreter des Landessportschützenverbandes Niedersachsen mit seiner Dankesrede an. Länger und ausführlicher fiel die anschließende Ansprache des amtierenden Vorsitzenden des Kreisschützenverbandes Lüchow-Dannenberg aus. Schließlich war Waldemar Schulz auch – neben seinem Vorsitz im Kreisverband – Mitglied und Ehrenoberst der Schützengilde Woltersdorf. Außerdem gehörte er zu den Wiedergründern des Vereins nach dem 2. Weltkrieg und führte die Gilde Jahrzehnte lang an. Im Anschluß sprach Klaus Böttcher in seiner Doppelfunktion als Gildemeister und Bürgermeister der Gemeinde Woltersdorf. Danach überreichten die Kommandeure der eingeladenen Vereine und Institutionen mit kurzen Dankesworten Fahnennägel als Gastgeschenke. Gildemajor Karl Kammradt bat dann alle Anwesenden – nach einer kurzen Pause – zur Aufstellung zum Dorfummarsch mit anschließender Parade.

Gedenkmedaille für alle Jubiläumsteilnehmer,
entworfen von Joachim Kracht

Es war schon ein erhebender Anblick, als sich der Festumzug fast über die gesamte Länge der Dorfstraße hinzog, nur unterbrochen von den herausragenden Fahnen der jeweiligen Vereine. In Höhe Sportplatzweg wurde ein Zwischenstopp eingelegt und man konnte sich an den dort bereitgestellten Getränken erfrischen, bevor es in der Ziegeleistraße “Aufstellung zur Parade!” hieß. Im zackigen Parademarsch ging es dann an der sehr langen Majestätenreihe und vielen Schaulustigen von nah und fern vorbei und danach auf direktem Wege ins Festzelt. Mit den anschließenden Ehrentänzen für alle Majestäten klang der Festakt aus und ging ins öffentliche Tanzvergnügen über, das bis in die frühen Morgenstunden andauerte.

König Martin ...

Diese Gedenk-Urkunde, angefertigt vom Verfasser,
wurde Pfingsten 1995 überreicht.

An einem sehr frühen Sommermorgen im August 1995 wurde ich von meinem schrillenden Telefon äußerst unsanft geweckt – die Uhr stand auf 3:20. Schlaftrunken wie ich war, begriff ich zuerst überhaupt nicht, wer sich am anderen Ende der Leitung befand. Allmählich realisierte ich, daß es sich um unseren amtierenden Jubiläumsschützenkönig Martin, den Ehrlichen, handelte. Mit leicht ondulierter Aussprache und dabei ziemlich aufgeregt, versuchte er mir klar zu machen, daß er – soeben von einer privaten Feier nach Hause gekommen – in seinem Wohnzimmer eine Erscheinung des Schützengeistes gehabt habe. Ich sollte doch auf schnellstem Wege zu ihm kommen, um mit meiner Fotoausrüstung alles Weitere zu dokumentieren. Langsam wach und damit auch neugierig geworden, schwang ich mich also im Morgengrauen auf mein Fahrrad und eilte zum Ort des Geschehens. Dort bot sich dann das Bild wie es auf den unteren Fotos zu sehen ist und die Lage stellte sich wie folgt dar:

Schützenkönig Martin versucht die Erscheinung nachträglich zu erklären.

Martin hatte einige Tage zuvor seine Schützenuniform zum Lüften ins Wohnzimmer gebracht. In Ermangelung einer passenden Aufhängevorrichtung stellte er einen großen Steintopf, in den man sonst Gurken einlegt, auf den Wohnzimmerschrank und hakte in dessen Henkel den Kleiderbügel ein. Sein Schützen-Tschako platzierte er oben auf dem Topfdeckel. Er hatte nun zwischenzeitlich die Angelegenheit völlig vergessen und als er jetzt, ziemlich angeschickert von der Feier, sein halbdunkles Wohnzimmer betrat und die vermeintliche Gestalt in Uniform erblickte, war der Schreck natürlich groß. Mit Klebebandstreifen auf dem Steintopf versuchte er mir dann im Nachhinein zu zeigen, wie der “Schützengeist” ausgesehen hat.   Wir haben über diese Angelegen-heit nie wieder gesprochen – es blieb ein “Königsgeheimnis”!

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