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                                     (Fotos und Texte von Joachim Kracht)

Obwohl die Zonengrenze - von der unser Landkreis nahezu an drei Seiten  umschlossen wurde -  nur gute 10 km Luftlinie südlich von Woltersdorf entfernt war, spielte sie für mich in meiner Kinderzeit kaum eine Rolle. Unser kleiner Horizont endete meist schon an der Dorfgrenze und in der sich anschließenden Feldmark. Der Besitz eines eigenen Fahrrades blieb sehr lange nur ein Traum.
Wenn in unserer Dorfschule beim Heimatkundeunterricht die große Karte vom Landkreis Lüchow-Dannenberg aufgehängt wurde, stellte sich schon mal die Frage, was der große hellblaue Fleck unten rechts zu bedeuten hätte. Auf die Erklärung, daß dies der Arendsee sei, folgte dann auch gleich unsere Nachfrage, warum wir dort nicht zum Baden hinfahren könnten. Daraufhin bekamen wir gesagt, daß dort die Russen in der sowjetisch besetzten Zone wären und wir unser Leben riskieren würden. Damit war die Sache für mich dann auch irgendwie erledigt, zu mindestens für den Augenblick.
 

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Am Lübbower Grenzgraben endete jäh die Eisenbahn-
und Straßenverbindung zwischen Lüchow und Salzwedel.

Richtig bewußt wurde mir die Teilung Deutschlands in Ost und West einige Jahre später. Nämlich, als wir - Bewohner des Lehrlingsheims in Uelzen - in der vorletzten Oktoberwoche 1962, nächtens von lautem Panzerkettengerassel, das stundenlang anhielt, aus dem Schlaf gerissen wurden. Die Panzer waren auf dem Weg in unseren Landkreis Lüchow-Dannenberg, um an der Zonengrenze NATO-Präsenz zu demonstrieren. Erst später erfuhren wir, daß die Welt zu diesem Zeitpunkt am Abgrund eines neuen Krieges stand - wegen Kuba.
Den ersten Kontakt mit dem anderen Teil Deutschlands bekamen wir knapp ein Jahr später, als wir unsere einwöchige Lehrabschlußfahrt nach West-Berlin machten. Über den Grenzübergang Helmstedt-Marienborn ging es mit dem Bus über die alte Reichsautobahn in Richtung Berlin-Dreilinden. Anfangs waren wir noch erstaunt über Pferdefuhrwerke, die wir ständig überholten, doch das wurde bald zur Regel. Ziemlich beeindruckend waren die riesigen Getreideschläge in der Magdeburger Börde. So etwas sollte bei uns erst 20 Jahre später kommen.
Bereits vor Antritt der Reise war uns eingeschärft worden, den Begriff “Ostzone” aus unserem Sprachgebrauch zu tilgen und nur noch von der “DDR” zu sprechen. Man befürchtete sonst Schwierigkeiten mit den Vopo´s beim Grenzübertritt.
In meiner Erinnerung blieb besonders haften, daß jede Autobahnbrücke mit irgendwelchen politischen Parolen bemalt war - am häufigsten kam aber “ HÄNDE WEG VON KUBA” vor.

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Mit meinem ersten fahrbaren Untersatz - einem alten VW-Käfer -, dessen stolzer Besitzer ich 1969 wurde, löste sich dann auch mein privates Mobilitätsproblem. Endlich konnte man dahin fahren, wohin man schon immer wollte; sich alles anschauen, ohne auf andere angewiesen zu sein.
Ein Besuch der “DDR” blieb weiterhin ausgeklammert, weil zu dem Zeitpunkt nahezu unmöglich.
Außerdem waren die Kontrollschikanen der Grenzorgane bei unserem West-Berlin-Besuch immer noch abschreckend genug.

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Mit dem roten Käfer auf Erkundungsreise ....
(Anfang der 70er Jahre in der Nähe von Berchtesgaden)

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... oder feldmarschmäßig auf Biwaktour.

Damit ich meinem Umfeld auch einmal zeigen konnte, wo ich überall schon gewesen war, entschloß ich mich zum Kauf einer Fotokamera. Eine Spiegelreflexkamera sollte es schon sein, weil ich überwiegend im Dia-Format fotografieren wollte und hierbei die Motivscharfstellung und die Belichtung durch das Objektiv vornehmen konnte. Weiterhin boten sich viele Möglichkeiten durch den Einsatz von Wechselobjektiven und umfangreichem Zubehör.
Ich kaufte mir dann eine PRAKTIKA-Super-TL, die mir auch wegen des bezahlbaren Preises für meine Zwecke am geeignetsten erschien. Erst einige Zeit später fiel mir auf, daß der Hersteller das Kombinat VEB Pentacon Dresden war und die “DDR”, durch den Verkauf bei uns,  ihre Westdevisen aufbesserte.
Nichts desto trotz hat die Kamera meine Erwartungen zur vollsten Zufriedenheit erfüllt und mich über 20 Jahre bis ins digitale Zeitalter begleitet. Robust, unkompliziert, ohne Schnickschnack und nahezu unverwüstlich -  in meinen Augen eben eine echte Russenkamera.

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Mit der neuen Kamera auch im Urlaub ständig auf Motivjagd.
(hier in Adnet im Salzburger Land)

Jetzt konnte ich auch meine engere Heimat in näheren Augenschein nehmen. Vor allem den unseligen Eisernen Vorhang, der einfach nicht aus den Schlagzeilen kam. Immer wieder wurden Republikflüchtlinge wie Hasen  von den NVA-Grenzern gejagt, die dann zusätzlich noch mit einer Abschussprämie belohnt wurden. An unseren Kreisgrenzen gab es häufig Verletzte und manchmal auch Tote durch ungerechtfertigten Schußwaffengebrauch, Minenexplosionen und ausgelöste Selbstschußanlagen (SM 70). Bis zur Grenzöffnung mußten mindestens 23 Menschen in unserer Region bei dem Versuch ihr Leben lassen, um in den freiheitlichen Teil Deutschlands zu gelangen.
Auf westlicher Seite konnte man ungehindert bis an die eigentliche Demarkationslinie herankommen, die vom Bundesgrenzschutz (BGS) mit Warnschildern gekennzeichnet worden war. Dies war meist auch der Verlauf der alten Landesgrenze, wo man manchmal noch die überwucherten Reste des ersten Stacheldrahtzaunes finden konnte. Seit dem Mauerbau in Berlin 1961 wurden die alten Grenz- und Sperranlagen überall erneuert und modernisiert, die alten Beobachtungstürme aus Holz gegen neue aus Beton ausgetauscht.
Der neue Gitter-Zaun aus Streckmetall an Betonpfählen hatte jetzt einen begradigten Verlauf und befand sich weiter im Hinterland. Hiervon erhoffte man sich ein freieres Schußfeld.
Manch neugieriger Besucher, der meinte, daß der neue Zaun die eigentliche Grenze war, mußte diesen tragischen Irrtum mit Leib und Leben bezahlen.

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Die Grenze in der Nähe von Müssingen.
(rechts: alter Holz-Beobachtungsturm, links: halbfertiger Betonneubau)

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Grenztruppeneinsatz im ...

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... 5 km-Sperrgürtel.

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Hunde-Laufanlage südlich von Rebenstorf.

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